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Junior-Akademie in Jülich
Bericht über die Junior-Akademie in Jülich
von Katharina Schmidt
In den Sommerferien besuchte ich dieses Jahr die “Deutsche Junior Akademie“ in Jülich. Die Akademie wird von dem Ministerium für Schule und Weiterbildung veranstaltet und dient zur Förderung begabter Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 und 9. Sie soll ihnen die Möglichkeit bieten, sich mit intellektuellen und sozialen Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Anfang dieses Jahres bewarb ich mich um einen der sehr begehrten Plätze. Als ich eine positive Antwort bekam, konnte ich mein Glück kaum fassen: Ich würde in den Sommerferien vom 11.08. bis zum 21.08. die Junior Akademie in Jülich besuchen! Da eigentlich ein Vorbereitungswochenende, bei dem wir uns alle hätten kennenlernen sollen, vorgesehen war – welches allerdings aus zeitlichen Gründen nicht verwirklicht werden konnte – wurde ein Forum eröffnet in dem wir uns gegenseitig vorstellen konnten. So wurden die ersten Kontakte geknüpft. Doch die Zeit bis zum Start der Akademie schien einfach nicht vergehen zu wollen. Und doch – schließlich kam der lang ersehnte Tag von dem ich schon seit Monaten träumte. Total aufgeregt kam ich nach zwei Stunden Autofahrt endlich am Haus Overbach an. Zuerst bekam jeder sein Zimmer und seinen Zimmernachbarn zugeteilt. Dann hatten wir etwas Zeit uns erst einmal umzuschauen und unser Gepäck auszupacken. Anschließend fand die Eröffnungsfeier im Science College statt. Wir wurden von Michael Funke (Landesbeauftragter der Junior Akademien NRW), Sebastian Zacharias (Akademieleiter der Akademie in Jülich), dem Bürgermeister der Stadt Jülich und dem Leiter des Hauses Overbach ganz herzlich begrüßt. Danach hatten wir noch etwas Zeit uns von unseren Eltern zu verabschieden, bevor wir in unsere Kurse aufgeteilt wurden - Nanotechnologie, Kryptographie und Mechatronik. Ich besuchte den Mechatronik-Kurs. Jeder Kurs bestand aus jeweils 18 Teilnehmern und zwei Kursleitern. Außer den Kursleitern gab es auch noch eine Leiterin des Sport- und eine Leiterin des Kunstprogramms. Nachdem wir also alle unseren Kurs kennengelernt hatten, wurden wir noch auf der sogenannten „Schlossanlage“, die wir bewohnten, herumgeführt. Außer dem „Schloss“, in dem die Mädchen schliefen und dem Nebengebäude, in dem die Jungen einquartiert waren, gab es auch noch einen Grillplatz, eine relativ große Sportanlage, einen recht großen Speisesaal, einen wunderschönen kleinen Garten, und zwei Kellerbars, in denen sich jeweils Kicker, Bänke und Tische befanden. In diesen Kellerbars verbrachten wir die meisten Abende an denen wir keine Lust auf Sport hatten. Nachdem wir noch ein paar organisatorische Dinge besprochen hatten, blieb uns noch ein bisschen Zeit uns gegenseitig kennenzulernen und gemeinsam etwas Karten zu spielen. Aber dann war es auch schon Zeit, schlafen zu gehen.
Die nächsten Tage waren einfach nur wunderschön und unvergesslich. Auch wenn die Tage einen recht straffen Zeitplan hatten, gab es keinen Stress. In der Regel begannen der Tag um 7:30 Uhr mit dem Frühstück. Doch für diejenigen, die den Tag lieber mit Sport beginnen wollten, gab es das Angebot, morgens um 6:30 mit Sonja, unserer Sportleiterin joggen oder (an warmen Tagen) im Baggersee schwimmen zu gehen. Auch wenn ich nicht gerade eine Frühaufsteherin bin, joggte ich den ein oder anderen Morgen mit. Es war einfach nur wunderschön, bei Sonnenaufgang an dem nahegelegenen Baggersee vorbei zu joggen. Anschließend gab es dann von 7:30 bis 8:30 Uhr Frühstück im Speisesaal. Nachdem wir gegessen hatten, gab es um 8:50 Uhr das Plenum im Science College, bei dem besprochen wurde, wie wir uns den Tag vorstellten und was für KüAs (Kursübergreifende Angebote) an diesem Tag zur Auswahl standen. Dann begann um 9:00 Uhr auch schon die erste Kursschiene. Dort arbeiteten wir dann bis zum Mittagessen um 12:30 gemeinsam in den Kursen. Für das Mittagessen hatten wir insgesamt 1 ½ Stunden. Die meisten gingen nach dem Mittagessen zurück ins Science College und in den Computerraum, wo sie entweder ihre Mails checkten, Spiele spielten, oder einfach nur Musik hörten. Um 14:00 Uhr begann schließlich die erste KüA-Schiene. Hier konnte man sich jeden Tag entscheiden, ob man sich künstlerisch betätigen oder sportlich verausgaben wollte. Für jeden war immer etwas dabei. Beim sportlichen Programm konnte man neben Volleyball, Fußball, Basketball und Hürdenlauf auch etwas ausgefallenere Sportarten wie Hockey und Ultimate Frisbee ausprobieren. Beim künstlerischen Programm wurden auch sehr interessante Angebote gemacht. Hier konnte man Lightwriting ausprobieren, das Zeichnen von Gegenständen aus der Erinnerung üben, Skizzen von Bäumen mit Holzkohlestiften anfertigen und Figuren aus mit Ton gefüllten Luftballons formen. Und wer doch einmal keine Lust hatte, irgendetwas zu machen, der setzte sich einfach in den Garten oder in einen der Gemeinschaftsräume und ruhte sich aus. Schließlich war der Tag noch ziemlich lang, denn um 16:00 Uhr begann die zweite Kursschiene, in der die Arbeit vom Vormittag fortgesetzt wurde. Diese dauerte dann bis zum Abendbrot um 18:00 Uhr. Abends gab es genau wie zum Mittagessen eine warme Mahlzeit. Bis 19:00 Uhr hatte man Zeit etwas zu essen, und dann begann auch schon die zweite KüA-Schiene, gefolgt von der dritten. Während dieser Zeit fanden die Angebote von uns Teilnehmern statt. Wenn es einmal nicht genügend Angebote von uns gab, die den Abend hätten füllen können, überlegten sich die Leiter noch ein paar Dinge. Der Abend wurde nie langweilig, stattdessen war es immer sehr lustig, weil einige von uns viele spannende und manchmal auch verrückte Vorschläge hatten. So wurden unter anderem ein Einblick in die Kampfsportarten Judo und Taekwondo, eine Einführung in Thailändisch, das großartige Spiel „Werwolf“, ein Kinoabend mit dem Film „Avatar“, das Erlernen einer Choreografie zu dem Lied „Eiskalt“ von Culcha Candela, Geräte- und Bodenturnen, Kartenspiele, Lachyoga und Qui-Gong angeboten. All diese Angebote machten uns allen riesigen Spaß und schweißten uns innerhalb dieser zehn Tage immer mehr zusammen.
An manchen Tagen, wenn es richtig warm wurde, waren unsere Leiter bereit, die erste KüA-Schiene ausfallen zu lassen und stattdessen mit uns zum nahe gelegenen Baggersee zu gehen. Außerdem veranstalteten wir ein Fußballtunier zwischen den einzelnen Kursen und zwischen den Kursen und den Kursleitern. Aber auch über diese KüA-Schienen hinaus waren die Leiter bereit, sich sogar ihre Nacht etwas verkürzen zu lassen, indem sie mit uns in manchen Nächten Sternschnuppen beobachten gingen. Wir lagen mit ungefähr 20 Personen auf dem stockdunklen Basketballfeld und beobachteten, wie die zum Teil riesigen Sternschnuppen über uns aufblitzten und anschließend wieder verschwanden. Dies war auch einer dieser unvergesslichen Momente, von denen es auf der Akademie eine ganze Menge gab.
Die Kurse, und die im Kurs besprochenen Inhalte machten uns allen Spaß und wir lernten in diesen zehn Tagen eine ganze Menge. Im Mechatronik-Kurs starteten wir zuallererst mit einer Einführung in die Mechatronik, wobei uns erklärt wurde, was Mechatronik überhaupt ist und wo sie eingesetzt wird. Unter Mechatronik, die eine interdisziplinäre Ingeneurswissenschaft ist, versteht man die Kombination aus Mechanik, Elektronik und Informatik, wobei es nicht nur eine Kombination, sondern auch eine Verbesserung ergeben soll. Sie wird heutzutage in allen möglichen Gebieten angewandt. Die drei Hauptnutzungsgruppen sind Industrie, Sicherheitstechnik und Automatisierung. Nachdem wir all das erfahren haben, ging es für uns zunächst darum, uns mit den Lego Mindstorms NXT 2.0 Robotern vertraut zu machen. So lernten wir zuerst die hauptsächliche Steuerung kennen, bevor wir dann die Aufgaben bekamen, die Roboter um Kisten herum zusteuern oder auf einer Linie fahren zu lassen. Als wir diese Aufgaben erfolgreich gemeistert hatten, erfuhren wir nach und nach von weiteren Sensoren, die immer neue Möglichkeiten, den Roboter zu steuern, eröffneten. So gab es zum Beispiel den IR-Seeker, der Infrarotlicht erkennen konnte. Damit konnte man den Roboter so programmieren, dass er beispielsweise auf eine Infrarot-Quelle zusteuerte (wie z.B. eine Kerze), vor ihr stehen blieb und Alarm schlug. Außerdem gab es neben den Standardsensoren, wie dem Ultraschall-, Berührungs- und Geräuschsensor, noch den Farbsensor, das Gyroskop (Sensor für Drehbewegungen), den RFID Sensor (für die automatische Identifizierung von Transpondern) und den Magnetic Compass Sensor. Als wir all diese Sensoren an den Robotern getestet hatten (meist in Gruppenarbeit mit anschließender Präsentation), schlossen wir das Thema Lego Mindstorms ab und gingen über zu den FESTO-Systemen, die sich mit Steuerungs- und Automatisierungstechnik beschäftigten. Es gab insgesamt drei Koffer, die wir bearbeiten konnten. Der erste bestand aus einer Sortieranlage, die mittels eines entsprechenden Sensors zwischen Metall und Nichtmetall unterschieden und dadurch das eine von dem anderen aussortieren konnte. Der zweite Koffer enthielt ein Stapelmagazin, welches mit Hilfe von Zylindern zwei Teile einer kleinen Dose zusammenfügen konnte. Da dafür ein bestimmtes Wissen an Pneumatik erforderlich war, wurde eine Einführung in dieses Thema angesetzt. Leider hatten wir nicht mehr genug Zeit auch noch den dritten Koffer zu besprechen, welcher ein Handling enthielt. Dadurch wäre es möglich gewesen, einen Gegenstand mit Hilfe eines Greifarms von einem Ort zum Anderen zu heben. Die letzten Tage der Akademie arbeiteten wir in Gruppen an unserem Entwicklungsprojekt. Jede Gruppe durfte sich selbst aussuchen, was sie machen wollte. Wir sollten eine eigene Idee entwickeln und umsetzen. Zur Verfügung standen uns sowohl die Roboter, als auch alle FESTO-Koffer. Manche wählten eine Kombination aus mehreren FESTO-Koffern, andere programmierten eigene Programme für die Lego Mindstorms, wieder andere bauten die Mindstorms Roboter komplett um und gestalteten so einen eigenen Roboter mit anderen Fähigkeiten. Insgesamt konnte man die Kursarbeit wohl kaum als richtigen Unterricht bezeichnen. Auch wenn wir zweifelsohne eine Menge in diesen zehn Tagen lernten, kam es mir nie wie Unterricht vor, eher wie gemeinsames Experimentieren und Erfahren. Wir erfuhren das, was wir für die Aufgaben, die uns gestellt wurden, unbedingt wissen mussten. Doch danach konnten wir, auf uns allein gestellt, die Aufgaben lösen. Wir konnten so viel herum experimentieren wie wir wollten und wurden dabei von unseren Kursleitern unterstützt. Manchmal gab es sogar Situationen, in denen unsere Kursleiter von uns lernten. Außerdem durften wir unsere Kursleiter duzen, was von vornherein eine lockere Atmosphäre bewirkte.
Es gab auch einen Rotationstag, an dem wir den jeweils anderen Kursen unsere bisherigen Lernerfolge vorführten. So lernten wir zusätzlich zu unseren eigenen die Inhalte der anderen Kurse kennen, was sehr interessant und informativ war. Vom Kryptographie-Kurs erfuhren wir etwas über die Cäsarverschlüsselung und das RSA-Verfahren und die Nanotechnologen informierten uns über den Lotuseffekt und den thermischen Memory-Effekt.
Alles in allem fand ich die Zeit auf der Junior Akademie unglaublich schön. Bevor ich in den Sommerferien dorthin fuhr, informierte ich mich durch Erfahrungsberichte von Ehemaligen über das, was mich dort erwarten würde. Ich las ganz häufig den Satz „...verbrachte ich auf der Junior Akademie die beste Zeit meines Lebens.“ Damals dachte ich, dass es etwas übertrieben war. Aber nach meinem Aufenthalt dort, kann ich mich dem nur ausdrücklich anschließen. Ich erfuhr dort nicht nur einiges über Pneumatik und die Programmierung von Robotern, sondern lernte auch sehr viele neue Freunde kennen. Auf der Akademie herrschte eine ganz besondere Atmosphäre, die ich bis jetzt noch nirgendwo erlebt habe. Die Junior Akademie ist etwas ganz besonderes und ich bin sehr froh, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Herrn Arntz, Frau Urbaniak-Rieder und Frau Friedrich-Hepding bedanken, die mir den Aufenthalt an der Akademie überhaupt erst ermöglicht haben. Jedem interessiertem Schüler möchte ich unbedingt raten, sich dort auf einen Platz zu bewerben.